Homeoffice mit Hund - Tipps

Foto von: "Jens Klabunde / Homeoffice Hero“

Homeoffice mit Hund: Warum Floki mein Pausen-Coach ist –
und manchmal fast das Setup abräumt

Ein ehrlicher Erfahrungsbericht über Bewegungspausen, klare Ruhe- und Spielphasen und einen sehr temperamentvollen Kollegen auf vier Pfoten.

Gastbeitrag von Jens Klabunde

Wenn ich mich in einen Text verbeiße, verliere ich leicht das Zeitgefühl. Floki passiert das nicht. Mein Hund hält wenig von Aufgabenlisten, offenen Browser-Tabs und dem Satz „Ich bin gleich fertig“. Manchmal steht er mit dem Ball neben mir und wartet. Manchmal ist Warten nicht sein Ding: Dann springt er mich so stürmisch am Schreibtisch an, dass ich kurz um Laptop, Monitor und den Rest meines Setups fürchte.


Als ich über die Idee „Hund als Ergonomie-Trainer“ nachgedacht habe, klang das zunächst ziemlich charmant. Die Wirklichkeit ist weniger elegant. Floki kennt keine Pausenordnung und seine Methoden würden in keinem Bürohandbuch stehen. Trotzdem macht er etwas sichtbar, das ich bei konzentrierter Bildschirmarbeit gern vergesse: Ich sitze schon wieder sehr lange, während mein Hund Bewegung, Beschäftigung oder einfach Aufmerksamkeit braucht.


Das macht ihn nicht zum Therapeuten und auch nicht jede Unterbrechung automatisch gesund. Aber er ist ein erstaunlich zuverlässiger Anlass, den Arbeitsplatz für einen Moment zu verlassen. Genau darin steckt für mich der wahre Kern dieser Geschichte.

Eine Pause, die ich nicht übersehen kann

Wer zu Hause arbeitet, kennt das vielleicht: Es gibt keinen Weg zur Kaffeemaschine im anderen Gebäudeteil, keinen kurzen Gang zum Besprechungsraum und oft auch keinen Kollegen, der zum Mittagessen aufbricht. Der nächste Arbeitsschritt ist immer nur einen Klick entfernt. Aus „Das mache ich noch schnell“ wird leicht eine weitere Stunde auf dem Stuhl.


Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung empfiehlt, Bildschirmarbeit durch Tätigkeitswechsel und kleine Bewegungspausen zu unterbrechen. Dafür braucht es kein kompliziertes Trainingsprogramm. Schon aufstehen, ein paar Schritte gehen oder den Blick für kurze Zeit vom Bildschirm lösen verändert die starre Arbeitssituation.


Floki liefert mir dafür keine wissenschaftlich getakteten Intervalle. Er liefert einen Ball. Wenn ich mich bücke, aufstehe und mit ihm den Arbeitsplatz verlasse, ist das zunächst einfach eine Unterbrechung des Sitzens. Mehr sollte man daraus auch nicht versprechen: Ein Hund behandelt keine Rückenschmerzen, und eine kurze Spielpause ersetzt weder einen passend eingerichteten Arbeitsplatz noch ärztlichen Rat bei anhaltenden Beschwerden.


Nicht jede Störung ist automatisch ergonomisch


So ehrlich muss man sein: Wenn Floki unter dem Schreibtisch genau dort liegt, wo meine Füße hinmüssen, ist das kein „dynamisches Sitzen“. Dann sitze ich im Zweifel schief oder stolpere beim Aufstehen. Rollt sein Ball unter den Stuhl, wird aus der lustigen Pause schnell eine unnötige Gefahrenquelle. Und wenn er mich anspringt, während auf der Tischkante eine Tasse steht, hilft mir das weder bei der Konzentration noch beim sicheren Arbeiten.


Die sinnvollere Lösung besteht deshalb nicht darin, jedes Chaos nachträglich als Gesundheitsübung umzudeuten. Ich muss die Umgebung so organisieren, dass Floki Hund sein darf, ohne dass wir beide zwischen Kabeln, Stuhlrollen und wackelnder Technik landen. Das Thema Anspringen gehört dabei in ein ruhiges, passendes Training – bei Bedarf mit fachkundiger Unterstützung. Meine Aufgabe am Schreibtisch ist zunächst die Absicherung des Arbeitsplatzes.

Home Office mit Hund - Tipps

Foto von: "Jens Klabunde / Homeoffice Hero“

Der Ball ist eine Einladung, kein Dauerauftrag


Wenn Floki seinen Ball bringt, teilt er ziemlich verständlich mit, dass er etwas von mir möchte. Ich finde es wichtig, dieses Signal wahrzunehmen. Als Spielzeug eignet sich dabei ein unbeschädigter Hundeball in passender Größe; ein Tennisball sollte es nicht sein. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Ballkontakt sofort eine lange Spieleinheit auslösen muss. Homeoffice mit Hund funktioniert nur, wenn Aktivität und Ruhe ihren Platz haben.


Der Deutsche Tierschutzbund weist für hundefreundliche Arbeitsplätze darauf hin, dass Hunde einen geschützten Rückzugsort brauchen und einen großen Teil des Tages ruhen oder dösen. Ein Hund muss während unserer Arbeitszeit also nicht pausenlos beschäftigt werden. Gerade ein sehr lebhafter Hund profitiert aus meiner Sicht davon, wenn nicht jeder Moment am Schreibtisch zum Spiel wird.


Für mich heißt das: Ich nehme Flokis Wunsch ernst, prüfe aber auch, was gerade passt. Ist eine kurze Pause ohnehin fällig, gehen wir vom Schreibtisch weg und spielen an einem sicheren Ort. Muss ich einen Gedanken noch beenden, bekommt er nicht einfach hektisch den Ball zugeworfen, während ich mit einer Hand weitertippe. So wäre weder meine Arbeit wirklich konzentriert noch die Zeit mit ihm besonders aufmerksam.

Ein Arbeitsplatz, der Floki standhält


Bei einem temperamentvollen Hund entscheidet nicht nur die Schreibtischhöhe darüber, ob der Arbeitsplatz alltagstauglich ist. Mindestens genauso wichtig ist, was auf dem Boden liegt und was an der Tischkante steht. Die DGUV rät generell dazu, Kabel außerhalb des Bewegungsradius zu führen. Mit Floki im Zimmer wird aus dieser Empfehlung sehr schnell eine praktische Notwendigkeit.


Lose Kabel gehören aus dem Laufweg


Ladekabel, Mehrfachsteckdosen und lange Leitungen sollten nicht quer durch den Fußraum verlaufen. Kabelclips, ein Kabelkanal oder schon eine saubere Führung an der Tischkante können verhindern, dass Pfoten, Stuhlrollen oder meine eigenen Füße daran hängen bleiben.


Leichte Gegenstände brauchen Abstand zur Kante


Tasse, Smartphone und kleine Technik stehen bei mir besser nicht dort, wo ein Sprung oder ein kräftiger Schwanz sie erwischen kann. Je wilder Floki ankommt, desto weniger möchte ich mich darauf verlassen, dass schon nichts passiert.


Der Fußraum bleibt frei


Bälle und Spielzeug haben zwischen Stuhlrollen und Tischbeinen nichts verloren. Zum Spielen gehen wir ein paar Schritte weg vom Arbeitsplatz. Das schützt Floki und verhindert, dass ich beim hastigen Aufstehen über ihn oder sein Spielzeug stolpere.


Der Ruheplatz liegt neben, nicht mitten im Arbeitsplatz


Eine Decke oder ein Körbchen in meiner Nähe kann Floki einen festen Platz geben, ohne meine Beinfreiheit zu blockieren – vorausgesetzt, dort ist es ruhig und er kann sich ungestört zurückziehen. Ist der Bereich direkt am Schreibtisch zu belebt, liegt der bessere Ruheplatz etwas weiter entfernt. Wichtig ist, dass dieser Platz wirklich als Rückzugsort respektiert wird. Liegt er dort, muss nicht automatisch gestreichelt oder gespielt werden.


Spielen findet bewusst statt


Ein kurzer Ballmoment kann eine schöne Pause sein. Direkt am Schreibtisch ist er bei uns jedoch die ungünstigste Variante. Ein festgelegter Bereich im Zimmer, im Flur oder draußen macht die Pause klarer: Jetzt ist kurz Floki-Zeit, danach kehre ich an die Arbeit zurück.

Homeoffice - Pause mit Hund

Foto von: "Jens Klabunde / Homeoffice Hero“

Die Gassirunde ist mehr als meine Bewegungspause


Die deutlichste Trennung vom Bildschirm ist für mich die Runde draußen. Ich stehe nicht nur kurz auf, sondern verlasse den Arbeitsplatz wirklich. Das schafft Abstand zur Aufgabe und bringt Bewegung in einen sonst sehr sitzenden Tag.


Dass Hundehaltung und Bewegung zusammenhängen können, zeigen auch Studien. In einer britischen Untersuchung aus dem Jahr 2019 gingen hundehaltende Teilnehmer häufiger in ihrer Freizeit spazieren und erreichten häufiger die untersuchten Bewegungsempfehlungen als Menschen ohne Hund. Das war eine Beobachtungsstudie und beweist nicht, dass ein Hund seinen Menschen automatisch gesünder macht. Entscheidend ist schließlich, ob und wie man gemeinsam unterwegs ist.


Und die Runde gehört nicht nur mir. Floki soll nicht bloß mein persönlicher Schrittzähler sein. Für ihn sind Zeit zum Schnüffeln, Erkunden und ein an seine Bedürfnisse angepasster Spaziergang wichtig. Genau deshalb tut uns die Pause beiden gut: Ich komme weg vom Bildschirm, und Floki bekommt Zeit, in der es tatsächlich um ihn geht.


Pausen planen, statt von Floki überfallen zu werden


Floki wird vermutlich nie höflich anklopfen und fragen, ob es gerade passt. Deshalb sollte er nicht mein einziger Pausenwecker sein. Ein praktikabler Arbeitstag mit Hund kann viel unspektakulärer aussehen:


Vor Arbeitsbeginn


Kabel und empfindliche Gegenstände sind gesichert, Wasser und Ruheplatz stehen bereit und die erste Runde oder Beschäftigung ist nicht bloß ein Gedanke für „später“.


Während konzentrierter Phasen


Ein eigener Timer erinnert an kurze Unterbrechungen, bevor Floki die Aufgabe übernimmt. Ruht er gerade, lasse ich ihn ruhen. Der Hund muss nicht für jede menschliche Pause geweckt werden.


In kurzen Pausen


Ich stehe auf, gehe ein paar Schritte und entscheide bewusst, ob eine kleine Spieleinheit passt. Der Ball fliegt nicht zwischen Monitor und Kaffeetasse.



Bei der größeren Pause


Wir verlassen den Arbeitsplatz. Draußen darf die Runde mehr sein als eine eilige Pflicht zwischen zwei Terminen. Danach gibt es wieder eine klare Arbeits- und Ruhephase.


Das ist kein perfekter Stundenplan. Jeder Hund, jede Wohnung und jeder Arbeitstag ist anders. Der entscheidende Punkt ist für mich die Trennung: Arbeiten, gemeinsam aktiv sein und ruhen dürfen nebeneinander existieren, ohne dass alles gleichzeitig am Schreibtisch stattfinden muss.

Home Office - Pause mit Hund

Foto von: "Jens Klabunde / Homeoffice Hero“

Mein Fazit: guter Pausen-Coach, sehr eigene Methoden


Floki hat keine Ahnung von Ergonomie. Er weiß nicht, wie hoch ein Monitor stehen sollte, und mein Setup behandelt er gelegentlich eher wie einen Hindernisparcours. Trotzdem erinnert er mich zuverlässiger als mancher gut gemeinte Vorsatz daran, dass ein Arbeitstag nicht nur aus Sitzen und Bildschirm bestehen sollte.


Die beste Lösung ist für mich nicht, jede seiner wilden Unterbrechungen schönzureden. Sie besteht aus einem sicheren Arbeitsplatz, echten Bewegungspausen und klaren Ruhezeiten. So profitiere nicht nur ich von Flokis Anwesenheit. Auch er bekommt das, was ein Hund im Homeoffice braucht: Nähe, Bewegung, Aufmerksamkeit – und die Erlaubnis, zwischendurch einfach zu schlafen.


Wie fordert dein Hund im Homeoffice eine Pause ein: mit einem Ball, einem vorwurfsvollen Blick oder einer ganz eigenen Methode? 


Quellen und weiterführende Hinweise


DGUV: FAQ Homeoffice – Arbeit  Hinweise zu Bewegungsfläche, Haltungswechseln und der sicheren Führung von Kabeln.

DGUV: CHECK-UP Homeoffice – Kurzversion – Empfehlung, Bildschirmarbeit durch Tätigkeitswechsel und kleine Bewegungspausen zu unterbrechen.

Deutscher Tierschutzbund: Hallo Kollege Hund! – Leitfaden zu Rückzugsort, Ruhe, Beschäftigung und Gefahrenquellen am Arbeitsplatz.

Westgarth et al. (2019): Dog owners are more likely to meet physical activity guidelines – Beobachtungsstudie zum Zusammenhang zwischen Hundehaltung, Spaziergängen und körperlicher Aktivität.


Vielen Dank an Jens Klabunde - Fachautor für Homeoffice-Ergonomie · Betreiber von Homeoffice Hero, für diesen wertvollen Beitrag.

 

Jens Klabunde betreibt Homeoffice Hero, ein Ratgeberportal für ergonomisches und bezahlbares Arbeiten zu Hause. Er beschäftigt sich mit Arbeitsplätzen, die auch in kleinen Wohnungen funktionieren. Beim Schreiben begleitet ihn Floki, ein sehr temperamentvoller Hund, der Pausen zuverlässig einfordert.
Mehr unter homeoffice-hero.com


Website: homeoffice-hero.com

Arbeitsweise: So testen und analysieren wir



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